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Wellness - Eine Erfindung der alten Ägypter

 

Nefer (links in Hieroglyphen-Schreibweise) hieß das Zauberwort im alten Ägypten und bedeutete schön, vollkommen, einfach perfekt. Wirklich vollkommen schön – das waren nach dem damaligen Glauben nur die die Gottheiten. Aber die Menschen strebten danach, wenigstens annähernd so zu sein wie sie. Allen voran der göttliche Pharao und die königliche Familie.

Schon etwa 3000 v. Chr. hatte Kosmetik, Hygiene und Heilkunde einen erstaunlich hohen Standart in Ägypten. Die Ägypter waren das erste Volk, das die Bedeutung des Pulsschlages erkannte und maß. Sie nannten ihn »die Stimme des Herzens«. Um 1600 v. Chr. wurde das "Papyrus Edwin Smith", eine Kopie eines verlorengegangens deutlich älteren Dokumentes, niedergeschrieben. Darin werden für Krankheiten oder Verletzungen, die sicher oder nur vielleicht heilbar erschienen, therapeutische Anweisungen über die erforderlichen Bandagen, Schienen, Gipsverbände, Vernähung von Wunden und andere Informationen gemacht. Es gilt als das älteste Lehrbuch von Heilverfahren.
Schon um 2450 v. Chr. entstand die erste archäologisch nachweisbare Kanalisation. Im Totentempel des Sahure befinden sich mehrere mit einer dünnen Metallwand ausgekleidete Steinwannen, deren Abflußrohr in ein Rohrsytem unter dem Fußboden einmündeten. Zumindest für die Spätzeit ist in ägyptischen Häusern das Vorkommen von Latrinen und Waschräumen gesichert. Der griechische Geograph und Völerkundler Herodot (* 484 v. Chr.  † 425 v. Chr.) berichtet über seine Ägyptenreise: "Sie verrichten ihr Bedürfnis im Haus und essen auf der Straße."

Es war ein gesetzlich vorgeschriebenes Muss, sich mindestens einmal täglich zu waschen. Das morgendliche Bad mit anschließender Massage gehörte zum normalen Tagesablauf der vornehmen Ägypter. Ein wichtiger Bestandteil der altägyptischen Körperpflege war das einreiben mit parfümierten Balsamen, Salben und Ölen. Seife gab es noch nicht, man wusch sich allenfalls mit sodahaltigem Wasser. Das einfache Volk reinigte und cremte sich mit billigem Rizinusöl, den Reichen standen Rosenöl oder andere teure Präparate zur Verfügung. Wie wichtig dies im öffentlichen Leben war erzählt eine Überlieferung, nach der Hafenarbeitern  aufgrund der schlechter Versorgung mit Hautölen ihre Arbeit niederlegten!

Die Körperpflege schloss auch dekorative Kosmetik ein. Kajal, Lidschatten, Rouge und Lippenstift waren im alten Ägypten von erheblicher Bedeutung. Und das nicht nur bei Frauen: Körperpflege und Kosmetik war eine Sache beider Geschlechter. Männer trugen ganz selbstverständlich regelmäßig Make-up, teilweise sogar intensiver als ihre Frauen. Ursprünglich hatte das Schminken wohl hygienische und medizinische Gründe und diente zum Schutz vor Insekten, Sandreiz und der Sonnenstrahlen. Aber der kosmetische Effekt blieb selbstverständlich niemandem verborgen, sodass Make-up auch einfach um der Schönheit willen getragen wurde.

Eine besondere Eigenart der Ägypter war es, in der Öffentlichkeit Perücken zu tragen, deren meist lange Lockensträhnen bis auf die Brust herunterhingen. Der Perückenmacher war ein eigener Beruf, und es bedurfte großer Kunstfertigkeit, diesen Kopfschmuck herzustellen und zu pflegen. Er wurde aus Menschenhaar angefertigt, das zuweilen mit Pflanzenfasern und Tierhaaren »gestreckt« und mit Bienenwachs in der richtigen Form gehalten wurde.

 

 

 

 

 




Massage-Praktiken sind ebenso im alten Ägypten schon dargestellt, zum Beispiel auf einem Relief aus der 6. Dynastie (ca. 2300 v. Chr.).

Eine uralte kosmetische Behandlungsmethode ist das Peeling. Beim oberflächlichen Peeling wird die oberste Hornschicht der Haut mechanisch oder chemisch entfernt. Schon die alten Ägypter nutzten hierzu eine Salzlösung und Packungen aus Nilschlamm..

331 v. Chr. eroberte Alexander der Große (*356 v. Chr.; †323 v. Chr) Ägypten und läutete damit die griechisch-römische Herrschaft ein. Die letzte griechisch-ägyptische Herrscherin, Kleopatra (* ca. 69 v. Chr. † 30 v. Chr), verdankte der Überlieferung nach ihre Schönheit dem regelmäßigem Bad in einer Mischung aus Eselsmilch, Honig und Mandelöl. Diese Inhaltsstoffe gelten auch in der modernen Medizin als hydrierend, rückfettend und damit äußerst pflegend.

Nachdem sich Kleopatra durch einen Schlangenbiss das Leben nahm, war die Blütezeit Ägyptens endgültig vorbei. Aber auch wenn das alte Ägypten starb - die ägyptische Kultur überlebte, denn schon einige hundert Jahre vorher hatten ägyptische Wissenschaft, Technik und Lebensstiel in die südlichen Mittelmeerländer Einzug gehalten. In Griechenland war das „ägyptische Schönheitsideal“ sehr erstrebenswert. Die griechische Kultur aber wurde nach der Eroberung Griechenlands von den Römern angenommen und weiterentwickelt. Griechischen Sklaven, deren Fertigkeiten und Fähigkeiten als Handwerker, Künstler, Ärzte und Lehrer bei den Römern sehr begehrt waren, trugen die Kultur weiter. Die wohlhabenden Römer verbrachten viele Stunden des Tages mit der Körperpflege. Sie versuchten mit Schwitzbädern, Massagen und Salbungen ihre Körperform zu erhalten. Hierzu wurden die auch heute noch berühmten Badehäuser und Thermen errichteten.

 



 

 

 

 

 

 

© Hazem Hammad Messalam, Ägypten